Wenn das Jahr gut gelaufen ist, werden wir von unseren Mandanten kurz vor dem Jahreswechsel oft gefragt, ob sie „schnell noch etwas kaufen“ sollen, um die befürchtete Steuerlast zu senken. 

Hierzu lässt sich allgemein sagen, dass die steuerlich wirksamen Aufwendungen für die meisten Investitionen nicht im Kaufzeitpunkt entstehen, sondern (durch die Abschreibung) über die Gesamtnutzungsdauer hinweg.  Der steuerliche Effekt eines „Dezemberkaufes“ ist also gering. Dies gilt ausdrücklich nicht für so genannte geringwertige Wirtschaftsgüter (bis 800 EUR netto) und bestimmte Computerhardware und Software. Diese können sofort vollständig abgeschrieben werden. 

Aber: Empfehlenswert ist nur ein Vorziehen ohnehin erforderlicher Anschaffungen. Kaufen nur wegen der Steuer ergibt keinen Sinn. 

Und: Das Vorziehen von Aufwendungen bewirkt nur eine Verschiebung der Steuerzahlung auf später, keine endgültige Steuervermeidung. Ob das vorteilhaft ist, kann nur entschieden werden, wenn die gesamte finanzielle Situation beleuchtet wird. Wird das Geld gebraucht (z.B. für private Ausgaben oder um einen Kredit schneller zurückzuführen), dann sollte der Effekt genutzt werden. Liegt die zunächst eingesparte Steuer nur auf dem Girokonto und löst „Verwahrentgelte“ aus, die in Wahrheit negative Zinsen sind, verkehrt sich der vermeintliche Vorteil in einen Nachteil. Die gleichen Überlegungen gelten für alle Arten von Sonderabschreibungen und die Nutzung des Investitionsabzugsbetrages. 

Weitere Handlungsfelder bis zum Jahresende könnten bei Ihnen folgende sein: 

a) Sonderabschreibungen beim Mietwohnungsneubau
Mit dem Gesetz zur Förderung des Mietwohnungsneubaus wurde eine Sonderabschreibung in Höhe von jährlich 5 % eingeführt. So können – unter weiteren Voraussetzungen (z. B. dürfen die abschreibungsfähigen Anschaffungs- oder Herstellungskosten nicht mehr als 3.000 € je m² Wohnfläche betragen) – im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und in den folgenden 3 Jahren neben der regulären Abschreibung in Anspruch genommen werden. Somit werden innerhalb des Abschreibungszeitraums insgesamt bis zu 28 % der förderfähigen Anschaffungs- oder Herstellungskosten steuerlich berücksichtigt. 

Bitte beachten Sie: 

Die Regelung wird auf Herstellungs- oder Anschaffungsvorgänge beschränkt, für die der Bauantrag oder die Bauanzeige nach dem 31.08.2018 und vor dem 01.01.2022 gestellt wird. Die Sonderabschreibungen können auch dann in Anspruch genommen werden, wenn die Fertigstellung nach dem 31.12.2021 erfolgt; längstens bis 2026! Ob die (neue) Bundesregierung eine Verlängerung anstrebt, ist zzt. nicht bekannt. 

b) Verträge überprüfen
Grundsätzlich sollten Verträge einmal jährlich auf Anpassungsbedarf kontrolliert werden; egal ob es sich dabei um Miet-, Anstellungs-, Versicherungs- oder Verträge mit Geschäftsführern handelt. Insbesondere bei Verträgen zwischen beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführern und der GmbH sind getroffene Vereinbarungen auf ihre Fremdüblichkeit und Angemessenheit und auf die Gefahr einer verdeckten Gewinnausschüttung hin zu überprüfen. 

Müssen entsprechende Vereinbarungen angepasst werden, sind sie im Vorhinein zu treffen, damit sie auch steuerrechtlich anerkannt werden. Sie sind stets schriftlich zu fixieren und wie vereinbart durchzuführen, um keine Zweifel am Willen der Beteiligten zuzulassen. 

c) Änderung bei der Sonderabschreibung für kleine und mittlere Unternehmen
Kleine und mittlere Unternehmen profitieren von der Sonderabschreibung von bis zu 20 %. Werden bewegliche Wirtschaftsgüter wie z. B. Maschinen angeschafft oder hergestellt, können – unter weiteren Voraussetzungen – im Jahr der Anschaffung oder Herstellung sowie in den folgenden 4 Wirtschaftsjahren neben der normalen Abschreibung zusätzlich Sonderabschreibungen in Höhe von insgesamt bis zu 20 % in Anspruch genommen werden. 

Der Unternehmer kann entscheiden, in welchem Jahr er wie viel Prozent der Sonderabschreibung beanspruchen will und damit die Höhe des Gewinns steuern. 

d) Gewinnplanung mit geändertem Investitionsabzugsbetrag 

Steuerpflichtige können für neue oder gebrauchte bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die sie anschaffen oder herstellen wollen – unter weiteren Voraussetzungen wie z. B. der betrieblichen Nutzung zu mindestens 90 % –, bis zu 50 % der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten steuerlich gewinnmindernd abziehen. 

Beispiel:
Ein Unternehmer will in den nächsten 3 Jahren für seinen Betrieb eine Maschine im Wert von netto 50.000 € anschaffen. Hierfür kann er bereits für 2021 einen Investitionsabzugsbetrag in Höhe von 50 % (= 25.000 €) der Anschaffungskosten in Anspruch nehmen, der sich in diesem Jahr auch gewinnmindernd auswirkt.
Schafft der Unternehmer diese Maschine, für die er den Investitionsabzugsbetrag in Anspruch genommen hat, an, kann er die Bemessungsgrundlage für die weiteren Abschreibungen und Sonderabschreibungen auf 25.000 € im Anschaffungsjahr vermindern, um die erforderliche steuerliche Hinzurechnung auszugleichen. Zusätzlich kann er eine Sonderabschreibung i. H. v. 20 % (= 5.000 €) gewinnmindernd ansetzen. 

Nach wie vor gilt: Die Berücksichtigung des Investitionsabzugsbetrags ist in dem Wirtschaftsjahr rückgängig zu machen, in dem der Abzug erfolgt ist, wenn die geplanten Investitionen unterbleiben. Dafür werden bestandskräftige Bescheide korrigiert und es entstehen Zinsaufwendungen! 

Investitionsabzugsbetrag auch für einen betrieblichen Pkw: Die Gewährung eines Investitionsabzugsbetrags setzt u. a. voraus, dass der Steuerpflichtige beabsichtigt, das begünstigte Wirtschaftsgut in einer inländischen Betriebsstätte des Betriebs ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich zu nutzen. Unter diesen Voraussetzungen kann der Investitionsabzugsbetrag auch für einen Pkw in Anspruch genommen werden. Der Nachweis der betrieblichen Nutzung ist über ein Fahrtenbuch zu führen. 

Anmerkung: Wird der Pkw ausschließlich seinen Arbeitnehmern zur Verfügung gestellt – dazu zählen auch angestellte GmbH-Geschäftsführer –, handelt es sich um eine 100%ige betriebliche Nutzung. 

Haben Sie noch Fragen? Wir beraten Sie gern. 

WNP Steuerberatungsgesellschaft