Bestimmte digitale Wirtschaftsgüter können neuerdings im Jahr der Anschaffung oder Herstellung vollständig abgeschrieben werden. Das geht aus einem Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom 26.02.2021 hervor. Zu den benannten digitalen Wirtschaftsgütern gehören materielle Wirtschaftsgüter wie Computer und immaterielle Wirtschaftsgüter wie Betriebs- und Anwendersoftware. 

Nach der Überzeugung des BMF hat der technische Fortschritt derartig an Fahrt aufgenommen, dass z. B. die Nutzungsdauer für Computer nicht mehr drei Jahre beträgt, sondern die Geräte in der Regel bereits nach einem Jahr ausgetauscht werden. Das ist natürlich Unsinn, was man schon daran erkennt, dass die sofortige Abschreibung an die Bedingung geknüpft ist, dass die Hardware einen Hinweis auf eine umweltgerechte Gestaltung (nach der EU-Verordnung 617/2013) aufweisen muss. Nach dieser Logik müssten nicht umweltgerecht gestaltete Geräte also länger nutzbar sein. 

Außerdem kann die Sofortabschreibung wahlweise in Anspruch genommen werden. Wäre der übliche technologische Verschleiß wirklich so hoch, wäre eine Abschreibung wie bisher (also über 3 Jahre) gar nicht mehr zulässig. In Wahrheit wurde also eine Art „Sonderabschreibung“ für digitale Wirtschaftsgüter geschaffen, worüber sich die Steuerpflichtigen nicht beschweren werden. 

Dieser Etikettenschwindel kann in gravierenden Fällen zur Folge haben, dass Steuerpflichtige bei Ausübung des Wahlrechts zur Sofortabschreibung aufgrund der längeren Nutzungsdauer der digitalen Wirtschaftsgüter nach HGB eine Rückstellung für passive latente Steuern bilden müssen. 

Der Begriff „Computerhardware“ umfasst nach dem Schreiben Computer, Desktop-Computer, Notebook-Computer, Desktop-Thin-Clients, Workstations, Dockingstations, externe Speicher- und Datenverarbeitungsgeräte (Small-Scale-Server), externe Netzteile sowie Peripheriegeräte. 

Zur begünstigten „Software“ zählen neben Standardanwendungen auch auf den individuellen Nutzer abgestimmte Anwendungen wie ERP-Software, Software für Warenwirtschaftssysteme oder sonstige Anwendungssoftware zur Unternehmensverwaltung oder Prozesssteuerung. 

Die neue Regelung kann in den Gewinnermittlungen für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2020 enden, angewendet werden. Bei kalendergleichem Wirtschaftsjahr gilt sie also ab 01.01.2021. Zuvor angeschaffte digitale Wirtschaftsgüter können 2021 auf 0 abgeschrieben werden. 

All das gilt ab dem Veranlagungszeitraum 2021 entsprechend für Wirtschaftsgüter des Privatvermögens, die zur Einkünfteerzielung verwendet werden. 

Ein letzter Hinweis sei gestattet: Sofortabschreibung und „Verwahrentgelte“ (negative Zinsen für hohe Guthabensalden) beißen sich. 

Haben Sie noch Fragen? Wir beraten Sie gern. 

WNP Steuerberatungsgesellschaft 

P.S. Wollten Sie schon immer mal wissen, was ein externes Netzteil ist? Das genannte BMF-Schreiben klärt auf: 

„Externes Netzteil“ bezeichnet ein Gerät, das dafür konzipiert ist, Wechselstrom (AC) aus dem Stromnetz in Wechselstrom (AC) oder Gleichstrom (DC) niedrigerer Spannung umzuwandeln; das die Umwandlung jeweils nur in eine Gleichstrom- oder eine Wechselstromausgangsspannung vornehmen kann; das zum Betrieb mit einem separaten Gerät – dem Primärverbraucher – bestimmt ist; das sich in einem vom Primärverbraucher physisch getrennten Gehäuse befindet; das über einen abnehmbaren oder fest verdrahteten elektrischen Anschluss mit Stecker und Kupplung, ein Kabel, eine Litze oder eine sonstige Verdrahtung mit dem Primärverbraucher verbunden ist und das über eine Ausgangsleistung laut Typenschild von höchstens 250 Watt verfügt.