Eine Rechnung muss – neben einer Reihe von weiteren Angaben – die vollständige Anschrift des leistenden Unternehmers enthalten, damit sie zum Vorsteuerabzug berechtigt. In der Vergangenheit hatte es Unsicherheiten bei der Frage gegeben, ob diese Adresse auch eine reine Briefkastenadresse sein kann. 

Auslöser der Diskussion war ein Urteil des Bundesfinanzhofes aus dem Jahr 2015, wonach das Merkmal „ vollständige Anschrift“ in § 14 Abs. 4 Nr. 1 UStG nur erfüllt ist, wenn der leistende Unternehmer unter dieser Anschrift seine wirtschaftlichen Aktivitäten entfaltet. In der Literatur wurde darüber hinaus die Frage aufgeworfen, ob diese strenge Sichtweise möglicherweise auch auf die Adresse des Leistungsempfängers anzuwenden ist. 

Nach einem aktuellen Urteil des BFH reicht es nun doch aus, wenn auf der Rechnung ein Ort angegeben ist, unter dem der leistende Unternehmer (lediglich) postalisch erreichbar ist. 

Sachverhalt

Im ersten Fall erwarb ein Autohändler Kraftfahrzeuge von einem Einzelunternehmer, der im Onlinehandel tätig war, ohne dabei ein Autohaus zu betreiben. Er erteilte Rechnungen, in denen er als seine Anschrift einen Ort angab, an dem er postalisch erreichbar war.

Im zweiten Fall gab eine GmbH ihren Sitz laut Handelsregistereintragung an. Tatsächlich befanden sich dort die Räume einer Anwaltskanzlei. Die von der GmbH für die Korrespondenz genutzte Festnetz- und Faxnummer gehörte der Kanzlei, die als Domiziladresse für ca. 15 bis 20 Firmen diente. Gelegentlich nutzte ein Mitarbeiter der GmbH in der Kanzlei einen Schreibtisch.

In beiden Fällen bejahte der Bundesfinanzhof den Vorsteuerabzug. Denn nach neuer Sichtweise ist es nicht erforderlich, dass die wirtschaftlichen Tätigkeiten unter der Anschrift ausgeübt werden, die in der Rechnung angegeben ist. Vielmehr reicht die Angabe eines Orts mit postalischer Erreichbarkeit aus.

Die Rechtsprechungsänderung beruht auf der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs, die auf Vorlage durch den Bundesfinanzhof ergangen ist.

BFH-Urteil vom 21.6.2018, Az. V R 25/15; BFH-Urteil vom 21.6.2018, Az. V R 28/16; BFH, PM Nr. 42 vom 1.8.2018

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