Soll ein bebautes Grundstück vermietet werden, bemisst sich die Höhe der Abschreibungen nach dem auf das Gebäude entfallenden Anteil am Gesamtkaufpreis. Die Finanzämter haben daher ein Interesse daran, den Gebäudeanteil möglichst niedrig anzusetzen. Hierfür haben sie in der Vergangenheit unabhängig von den Angaben im Kaufvertrag oft eigene Berechnungen zum Nachteil des Steuerpflichtigen angestellt. 

Dieser Praxis hat der Bundesfinanzhof nun Einhalt geboten. Denn der Aufteilungsmaßstab richtet sich grundsätzlich nach der Aufteilung der Vertragsparteien im Kaufvertrag. Etwas anderes gilt nach Auffassung des BFH (nur) dann, wenn die Aufteilung nur zum Schein getroffen wurde oder ein steuerlicher Gestaltungsmissbrauch vorliegt, um die steuermindernde Abschreibung für das Gebäude in die Höhe zu treiben.

Weicht der Wert für den Grund und Boden erheblich von den Bodenrichtwerten ab, ist das nur ein Indiz dafür, dass die vertragliche Aufteilung gegebenenfalls nicht die realen Werte wiedergibt. Kommt es zum Rechtsstreit, muss das Finanzgericht eine Gesamtwürdigung vornehmen und prüfen, ob die Abweichung durch besondere Aspekte nachvollziehbar erscheint. Hierbei sind u. a. die Bauqualität und der Wohnwert des Gebäudes im Kontext der Nachbarschaft (Straßenlärm, soziale Einrichtungen etc.) zu berücksichtigen.

BFH-Urteil vom 16.09.2015, Az. IX R 12/14