THEMA: Umsatzsteuer auf gespendete Backwaren

Umsatzsteuer auf gespendete Backwaren #92

Muss ich als Bäcker tatsächlich Umsatzsteuer auf gespendetes Brot bezahlen?

Ja, leider ist das so. Eine entsprechende Vorschrift befindet sich um Umsatzsteuergesetz.


Was besagt dieser Gesetzestext?

Unentgeltliche Zuwendungen eines Gegenstandes – also Sachspenden – werden nach § 3 Abs. 1b Nr. 3 UStG einer Lieferung gleichgestellt. Lassen Sie uns das übersetzen: Wenn Sie Ihre Brötchen bzw. Ihr Brot spenden, verlassen diese Waren Ihre Bäckerei, ohne dass Sie die Brötchen verkauft haben. Der Gesetzgeber sagt nun, dass diese Spende (Sachspende) genauso behandelt wird wie ein Verkauf der Brötchen und fordert für das gespendete Brot die Umsatzsteuer.


Wie wird die Umsatzsteuer darauf berechnet?

Grundsätzlich ist die Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer der Einkaufspreis der Waren. Da Sie Ihre Waren selbst herstellen, existiert kein Einkaufspreis. In solchen Fällen werden nach dem Umsatzsteuergesetz die Selbstkosten für die Herstellung der Brötchen angesetzt. Selbstkosten sind alle Kosten, die bis zum Zeitpunkt der Spende anfallen, also alle Kosten bis auf die Umsatzsteuer und den Gewinnanteil.

Wurde eine Spendenbescheinigung ausgestellt, zieht das Finanzamt i.d.R. vereinfachend den Wert heran, der auf der Spendenbescheinigung ausgewiesen ist.


Zahlenbeispiel:

Brot und Brötchen im Wert von 50 € werden an die Tafel übergeben und die Tafel stellt eine Spendenquittung über diesen Betrag aus. Dann passiert Folgendes:

Gebucht wird: "Spenden an Erlös und Umsatzsteuer"

Gewinnauswirkung: Erlös + 46,73 €, Spenden - 50 € = - 3,27 €,
Ertragsteuerersparnis (Einkommensteuer und Gewerbesteuer) darauf 30% = 0,98 €

entstehende Umsatzsteuer: 50,00 € : 1,19 x 0,19 = 3,27 €
Steuerbelastung gesamt: USt 3,27 € - Ertragsteuerersparnis 0,98 € = 2,29 €.

Ergebnis: Die Brötchenspende kostet den Spender 2,29 € an Steuern.


Was ist zu tun?

Die naheliegende Lösung verbietet sich: Spendet man die Backwaren, ohne hierüber Aufzeichnungen zu führen, besteht die Gefahr, dass das Finanzamt bei Betriebsprüfungen den Umsatz nach oben „korrigiert“, weil durch die nicht aufgezeichneten kostenlosen Spenden das Verhältnis zwischen Wareneinkauf und Umsatz nicht passt.

Um die Steuerlast legal zu mindern, bieten sich zwei Strategien an: Zum ersten ist es denkbar, dass auf der Spendenquittung nur der tatsächliche Entnahmewert eingetragen wird. Dieser wird bei nicht mehr im Laden verkaufsfähigen Backwaren nur sehr gering sein. Allerdings birgt diese Strategie das Risiko, dass das Finanzamt diesen Wert nicht anerkennt und – wie im Gesetz vorgeschrieben – die Selbstkosten als umsatzsteuerliche Bemessungsgrundlage heranzieht.

Besser ist es, die Brötchen zu einem niedrigen Preis – beispielsweise für 1 € – an die Tafeln zu verkaufen. Entspricht dieser Preis dem tatsächlichen Wert, was bei nicht mehr verkaufsfähigen Brötchen nicht realitätsfern ist, wird das Finanzamt auch keine Umgehung nachweisen können. Wichtig ist, die Menge der so verkauften Backwaren aufzuzeichnen, damit bei einer Betriebsprüfung ein entsprechender Nachweis geführt und Hinzuschätzungen vermieden werden können.


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